Realsatire
Lizenz zum Fälschen
von T. Schneider und S. Pamperrien
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Der Deutsche Journalisten-Verband sieht sich selbst gern als Hüter der journalistischen Moral. Irgendwie scheint aber neuerdings Bewegung in althergebrachte Moralvorstellungen gekommen zu sein. Vermarktung heißt die Devise. Die aktuellen Ratschläge für Fotografen sind recht ungewöhnlich. Und auch das Bildungsideal ist irgendwie mutiert. Hat der ungelöste Konflikt um die PRler im DJV erste Folgen?
Einen klaren Standpunkt hat der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), wenn es um journalistische Ethik geht. "Die Aufgaben der Journalisten sind klar: Sie bilden die Realität ab, sie inszenieren sie nicht", sagte Michael Konken, gerade erst wieder gewählter Vorsitzender des DJV, Anfang April 2006. So zitierte ihn zumindest die Deutsche Presseagentur (dpa), als es bei der Berichterstattung über Gewalt an Schulen um angeblich arrangierte Darstellungen an der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln und im Hamburger Stadtteil Mümmelmannsberg ging und dass Journalisten vermeintliche Statisten auch noch entlohnt haben sollten.
Und jetzt? Ein Jahr später hat man beim DJV offenbar das geschäftliche Potential solcher Arrangements erkannt. In seinem aktuellen Handbuch für freie Bildjournalisten "DJV-Bildportal & Imagia", herausgegeben von der "DJV-Verlags- und Service-GmbH", wird das inszenierte Foto den Mitgliedern als Vermarktungsidee empfohlen.
Auf Seite zehn der DJV-Broschüre schreibt Autor Michael Hirschler, Fachreferent des DJV für Freie, unter der launigen Überschrift "Direktvermarktung will gelernt sein": "Zur Direktvermarktung gehört auch, die Trends und Themen der faktischen Leitmedien (Spiegel, stern und Bild) sowie der politischen Diskussion im Auge zu behalten." Und stellt fest: "Manche Kollegen inszenieren Bilder auf diese Weise zeitnah." Inszenieren Bilder? Hat man irgendwie schon mal gehört. Statt der zu erwartenden Grundsatzkritik im Sinne der oben zitierten Äußerungen Konkens folgt ein Beispiel. Nicht etwa zur Abschreckung vor unredlichen Methoden: der Fachreferent präzisiert die empfohlene kundenorientierte Reaktion auf die Bewegung am Markt.[...]
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Die Autoren
Tobias Schneider
lebt als freier Journalist in Berlin.
Foto: Bernd Lammel
Dr. Sabine Pamperrien
ist Chefredakteurin von Berliner Journalisten
Foto: Bernd Lammel
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