Berufspolitik
Der schlafende Riese
Interview mit Arno Metzler
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In den vergangenen 15 Jahren stieg die Zahl der Selbstständigen in den freien Berufen um fast 90 Prozent. Berufsgruppen wie Steuerberater, Ärzte, Anwälte und Architekten sind über ihre Berufsorganisationen und Kammern gut organisiert. Bei den Journalisten führen die Freiberufler in den bestehenden Berufsverbänden ein Schattendasein. Berliner Journalisten sprach mit Arno Metzler, dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Freier Berufe.

Wenn man sich die Zahlen der in Ihrem Dachverband organisierten Freiberufler anschaut, entdeckt man, dass Journalisten unterrepräsentiert sind. Woran liegt das?

Bei den Journalisten gibt es eine sehr interessante Entwicklung. Die Interessenvertretungen des Journalismus hatten bisher eine gewerkschaftliche Organisationsstruktur. Wir arbeiten mit diesen Verbänden gelegentlich zusammen. Diese Verbände sind aber darauf ausgerichtet, Journalisten in Anstellungsverhältnissen abzubilden. Hauptziel ist es, möglichst viele Kollegen in Anstellungsverhältnissen zu erhalten. Der Markt bildet das so jedoch nicht mehr ab. Der Markt bevorzugt heute häufig freie Mitarbeiter.
Arno Metzler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Freier Berufe, Foto: Bernd Lammel

Bei mehr als 50 Prozent freien Journalisten in vielen Gebieten ist das Festhalten an alten Strukturen doch lebensfremd, oder?

Ich möchte das nicht werten.

Gerade darum wollten wir bitten!

Gut, ich will ihnen sagen, warum. Wir arbeiten mit diesen Organisationen natürlich zusammen, wenn wir Schnittmengen haben. Gerade, wenn es um das Thema nationale Sicherheit, Lauschen und Abhören oder das Zeugnisverweigerungsrecht geht. Dann ist es egal, ob angestellt oder frei. Wir unterscheiden auch nicht durch Berufsgesetze zwischen dem im Krankenhaus angestellten Arzt oder dem frei niedergelassenen. Beide haben die gleichen Bedürfnisse nach Vertraulichkeit und Verschwiegenheit und sind den gleichen Anforderungen des Zeugnisverweigerungsrechts unterworfen. Das gilt für Journalisten in gleicher Weise. Natürlich arbeiten wir dann auch mit traditionellen Journalistenorganisationen zusammen, die aber keinen Zugang zu einem Bundesverband von freien Berufen suchen. Von deren Selbstverständnis passen die Ziele nicht zusammen. Sie würden sich im Falle divergierender Interessen für die Angestellten entscheiden, wir für die Freien.
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