Kino
Hollywood, Babelsberg
von Jörn Hetebrügge, Fotos: Bernd Lammel, Studio Babelsberg (1)
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Großproduktionen waren im Filmland Deutschland eine Seltenheit. Bis Studio Babelsberg zu einer bemerkenswerten Erfolgstory startete.
Wenn sich feierliche Anlässe und öffentliche Verlautbarungen hierzulande ums deutsche Kino drehen, dann wird gerne die Tradition beschworen. Dann kommen die Redner fast unvermeidlich auf den „Blauen Engel“ und Marlene Dietrich zu sprechen oder aber auf Fritz Langs legendäre Großstadt-Utopie „Metropolis“ – mithin auf eine ferne „Goldene Ära“, während der das deutsche Kino Weltgeltung besaß. Und in Babelsberg Filmgeschichte geschrieben wurde.
Lange Zeit machten solche Verklärungen vor allem eines schmerzlich bewusst: Wie wenig Glamour und internationales Flair das deutsche Gegenwartskino ausstrahlte. Inzwischen aber ist ein neues Selbstbewusstsein zu spüren. Deutsche Filme, wird mit merklichem Stolz verkündet, finden im eigenen Land wieder ein Publikum. Deutsche Filmschaffende werden auf den großen Festivals wieder regelmäßig mit Preisen bedacht. Und auch Babelsberg – das „deutsche Hollywood“ – wartet mit ungeahnten Positivschlagzeilen auf.
Tatsächlich scheint die Studio Babelsberg AG, das weltweit älteste und zugleich größte europäische Großatelierfilmstudio, ihren Platz im globalisierten Filmbusiness gefunden zu haben – und zugleich zu einem unbefangenen Umgang mit der einstigen Glorie. Nicht, dass der Mythos nicht mehr gepflegt würde – schon das Logo mit der berühmten Roboterfrau aus „Metropolis“ verweist auf die Glanzzeit der Filmfabrik. Gleichwohl bestimmt professionelle Nüchternheit den Blick auf die Historie. Auf die Frage nach der Bedeutung der Tradition für das heutige Studio antwortet Miriam Rönn, die Leiterin der Unternehmenskommunikation: „Studio Babelsberg ist schon ein starker brand“.
Mit Polanski kam der Aufschwung
Derart frei von Sentimentalität war der Tonfall in der jüngeren Babelsberger Geschichte nicht immer. Als nach der Privatisierung 1992 mit Volker Schlöndorff ein ausgewiesener Kinoromantiker die Geschäftsführung des vorherigen DEFA-Studios übernahm, war ihm dies eine Herzensangelegenheit. Angesichts der schwierigen Nachwendezeit und herrschender Kinotristesse war sein Versuch, den Studiokomplex mit neuem Leben zu erfüllen, jedoch bestenfalls bedingt erfolgreich. Großes Kino fand in den 90ern in Babelsberg nicht statt. Für den jetzigen Verstandsvorsitzenden Dr. Carl Woebcken auch Folge einer verfehlten Studiopolitik. Damals, moniert er, sei die Tradition Hauptargument bei der Akquise gewesen: „Bis es niemand mehr hören konnte“. Schon gar nicht in Hollywood, wo harte Fakten zählen.
Im Gespräch strahlt Woebcken Offenheit aus. Zugleich wirkt sein Zugang zum Kino vergleichsweise sachlich. Von Haus aus Ingenieur stieß er als Manager zur Filmbranche. Ein schwieriges Geschäft, sagt der 51-Jährige, aber gerade die Projektarbeit mit ihrer geringen Planungssicherheit habe ihn gereizt. 2004 übernahmen sein heutiger Vize Christoph Fisser und er das Studio für einen symbolischen Euro vom französischen Investoren Vivendi. Im Folgejahr wandelten sie es in eine Aktiengesellschaft um. Die Stärken und Probleme des Unternehmens hätten sie genau analysiert, erzählt Woebcken: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“.
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